Sie suchen etwas?

Sie sind hier:
Startseite arrow Sehenswertes arrow Friedrich Heinrich August Müller
Search
Friedrich Heinrich August Müller

Friedrich Heinrich August Müller geb. 8. Mai 1755 gest. 6. Dezember 1811, Erbbesitzer der Nedlitzer Fähre

Friedrich Heinrich August Müller war der siebente Fährgutsbesitzer aus der Familie Müller. Sein Ahnherr, der erste Matthias Müller erwarb das Fährgut im Jahr 1588 in Erbrechtsbesitz zu Lehen vom damaligen Kurfürsten. Die Fähre, als einzige Möglichkeit von Potsdam über Spandau nach Berlin zu kommen, gab es schon lange nicht mehr. Auf Geheiß des Großen Kurfürsten baute der vierte Matthias Müller 1682 eine Holzbrücke.

Der Fährbetrieb war eingestellt worden. Der Name für das Anwesen blieb aber erhalten. Aus der Fährstelle war inzwischen ein ansehnliches, vorwiegend landwirtschaftlich genutztes Gut geworden. Die Haupterwerbsbereiche waren außer dem Brückenzoll (die Brücke war Privatbesitz der Müllers) Land-, Forst-, Fischwirtschaft und eine Krugwirtschaft. Letztere ergab sich seit jeher aus der Nedlitz-Passage. Die Besitzer besaßen das Schankrecht. Und jeder Erbe des Müllerschen Fährgutes war bemüht, den Besitz zu vergrößern. So reichte die Fläche für die Land- und Forstwirtschaft inzwischen in Richtung Potsdam auf beiden Seiten der Straße bis zum Ende der Roten Kasernen, in Richtung Bornim über Nedlitz hinaus bis in die Gemarkung Bornim. Jenseits der Brücke reichte der Besitz bis an den Fahrländer See und teilweise an den Krampnitzsee (Heute sind das die Wohngebiete an der Ringstraße und Am Stinthorn).

Zurück zu Friedrich Heinrich August Müller:
Er erhielt seine Schulbildung im Joachimschen Gymnasium in Berlin. Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung mit dem Abitur kehrte er auf das elterliche Gut zurück und widmete sich an der Seite seines Vaters der Landwirtschaft. Sein Vater starb im August 1780. Friedrich Heinrich August Müller erbte als Fünfundzwanzigjähriger das Gut „Nedlitzer Fähre“. Er heiratete 1781 eine Kusine. Aus der Ehe gingen mehrere Kinder hervor, die aber nicht alle das Erwachsenenalter erreichten.
Die Zeitverhältnisse änderten sich, es wurden weitere Übergänge über die Havel gebaut. Die Einnahmen durch den Brückenzoll schmälerten sich merklich. Müller sicherte seine Existenz durch Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft. Es gab etwa 300 Schafe, deren Wolle verkauft wurde. Eine Kuhherde wurde gehalten. Auf dem Acker wurde vorrangig Roggen angebaut. Es wurden 100 Maulbeerbäume, 50 Linden, 35 Espen, 200 Pappeln, 180 Weiden, 184 Obstbäume angepflanzt. Später kaufte Müller noch „600 bis 700 Stück ächte und unächte Obstbäume“. Einen Weinberg gab es ebenfalls. Es wurde Wein gekeltert. Weitere Einnahmen kamen aus der Fisch- und Krugwirtschaft.
Durch die Passage über die Brücke ergaben sich gute Beziehungen zum Herrscherhaus, zum Militär, zu hohen Offizieren. Bei Manövern gab es Einquartierungen, Könige und Prinzen kehrten zu einem Frühstück oder erfrischenden Trunk ein. Hohe und höchste Offiziere kamen oft allein oder in größeren Gesellschaften - bis zu 40 Personen -, um im Fährkrug zu speisen. Wurde ein besonders seltener oder schwerer Fisch gefangen, so wurde er dem König geschickt.
Die Brücke war nun etwa 100 Jahre alt. Sie musste renoviert, größtenteils gar erneuert werden. Das kostete viel Geld, und das war knapp. Außerdem hatte sein Vater, Tobias August Müller, begonnen, ein neues, massives Wohnhaus zu bauen. Sein Schwager, der Bauinspektor zu Potsdam, lieferte Entwurf und Zeichnung. Wegen fehlender Geldmittel gab er aber nur die Hälfte des geplanten Hauses in Auftrag. Er starb, bevor der Bau beendet war. Der Sohn Friedrich Heinrich August ließ den halben Neubau vollenden, um Gäste und Einquartierungen besser unterbringen zu können. Er selbst bewohnte weiterhin mit seiner Familie das alte Haus unter dem Schilfdach. Nach einigen Jahren ließ er die zweite Hälfte des neuen Wohnhauses bauen und zog dann auch selbst ein.
Der preußische König Friedrich Wilhelm IV kaufte 1845 dem Sohn und nunmehrigen Gutsbesitzer Philipp Ferdinand Müller die Holzbrücke ab und ließ nach Plänen von Persius eine Steinbrücke errichten und dazu auf das Wohnhaus eine Etage aufstocken. Alle Gebäude im normannischen Stil. Es ergab sich ein wunderschönes Bauensemble.

Es kam Preußens Schicksalsjahr 1806. Napoleon zog mit seiner Eroberungsarmee unaufhaltsam durch Europa. Die Schlacht von Jena und Auerstädt war für Preußen verloren, und so kamen Teile der französischen Armee auch nach Potsdam und weiter über die Nedlitzer Fähre Richtung Spandau. Die feindlichen Truppen plünderten den Gutshof völlig aus, Zerstörungen waren an der Tagesordnung. Die Brücke wurde durch das durchziehende Militär arg strapaziert, musste doch das gesamte Kriegsgerät, Bagage, Fourage usw. über diesen Übergang gebracht werden. Brückengeld wurde nicht gezahlt. Die Brücke wurde schadhaft, obwohl Besitzer Müller sie erst vor einem Jahr größtenteils erneuert hatte. Müller war aber nach den erlittenen Drangsalen finanziell nicht in der Lage, die notwendigen Reparaturen zu bezahlen. Da es sich um Kriegsschäden handelte, wandte er sich schriftlich an den französischen Gouverneur von Potsdam, General Bourcier, mit der Bitte, die Brücke auf Kosten der Kontributionskasse reparieren zu lassen, weil die Überquerung gefährlich sei. Er selbst könne die Reparatur nicht bezahlen. Der General konnte aber nicht ohne Genehmigung höherer Instanz verfügen und sandte Müllers Anliegen dem Kaiserlichen Commissarius und Intendanten Bignon. Dieser wiederum leitete die Angelegenheit weiter an die Kurmärkische Kriegs- und Domänencammer. Es entspann sich ein lebhafter Briefwechsel zwischen den Instanzen und dem Brückenbesitzer Müller, der die Schreiben zu seiner Rechtfertigung selbst formulierte. Die Cammer sah sich zwischenzeitlich genötigt, die Brücke reparieren zu lassen. Der Kaiserliche Commissarius ging jedoch am Ende so weit, eine harte Strafe für den Brückenbesitzer zu fordern. Nach seiner Meinung täusche der Brückenbesitzer sein Unvermögen zu zahlen nur vor. Er wolle sich an der französischen Besatzungsmacht bereichern. Die Cammer schaltete die Justiz ein. Im Prozess wurde Müller von den unehrenhaften Vorwürfen freigesprochen. Der Justizrath urteilte: „Der Müller hat sich keiner durch das Criminalrecht verbotenen Handlung schuldig gemacht.“ Aber für die Reparatur der Brücke musste er zahlen. Die Cammer räumte ihm Ratenzahlung ein.

Auf dieses gut ausgegangene, aber aufregende und lebensbedrohliche Ereignis folgten noch einige Jahre der Erholung, des Aufbaus. Aber schon am 6. Dezember 1811 verstarb Friedrich Heinrich August Müller. Er wurde nur 56 Jahre alt. Er hatte den Hof, das Land, wo er und seine Vorfahren, gelebt haben und gestorben sind, so lieb, dass er noch nach seinem Ableben darin ruhen wollte. Er wurde in seinem Garten, am Jungfernsee gelegen, begraben. Auf dem Grabstein vor der Gruft der Familie Müller auf dem Friedhof Bornstedt steht nur: "F.H.A. Müller ruht in seinem Garten."

Aus:"Geschichte der Nadolice", Karoline Schulze (1794-1881) Brandenburgisches Landeshauptarchiv Ursula Hinz 10/2004

| Drucken |
 
< Zurück
Sponsored by
Advertisement
Aktuelle Termine
Veranstaltungskalender
Mai 2008
Mo Di Mi Do Fr Sa So
28 29 30 1 2 3 4
5 6 7 8 9 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 29 30 31 1
Galerie Motive
Lehnitzsee
Lehnitzsee
Partnerseiten
Stadt Potsdam
Ergomedien
FPK-Ingenieurgesellschaft
Search

(C) 2008 Neu Fahrland, powered by Joomla CMS