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Im Norden von Potsdam erhebt
sich ein für märkische Verhältnisse beachtlicher Höhenzug. Der
Kirchberg ist mit 85 Metern die höchste Erhebung der Gegend, gelegen im
Waldstück Hainholz (auch Heinenholz) in Neu Fahrland, dem Potsdamer
Ortsteil, der sich auf einer vom Krampnitzsee, Lehnitzsee, Jungfernsee,
Weißen See und Fahrländer See umgebenen Halbinsel in der
Havellandschaft befindet.
Um die Geschichte des Berges ranken sich verschiedene
Erzählungen. Der frühere Name Hünenberg lässt vermuten, dass die
einstigen Bewohner vom Stamme der Semnonen hier schon einen
„Heiligenhain“ mit Opfer- und Begräbnisstätte gehabt haben mögen. Es
wird angenommen, dass die später nachrückenden Wenden diese Kultstätte
zu einem Tempel umgestalteten, in dem sie ihre Götter verehrten. In der
Zeit der Christianisierung wurde dieser Tempel zu einer kleinen Kirche
umgebaut, die im 17. Jahrhundert fast verfallen war und 1694 bis auf
die Grundmauern abgerissen wurde. Später aufgefundene Feldstein- und
Backsteinreste sowie verschiedene Gegenstände sind Zeugnisse der
Geschichte im Wandel der Kulturen und Religionen.
Der Dichter Theodor Fontane (1819-1898) schrieb 1869 in seinen
Wanderungen durch die Mark Brandenburg Band 3 Havelland: „Wie der
Königswall unten, so ist die Kirchbergkuppe hier oben ein ergiebiges
Feld für die Konjunkturalhistorie, wie jener als ein Kamp der Wenden,
so wird dieser als eine Opferstätte bezeichnet. Sehr leicht möglich,
aber sehr schwer nachweisbar! Was man jetzt noch auf der Kuppe des
Kirchberges findet, deutet auf viel spätere Zeiten hin. Man begegnet
Feldsteinfundamenten, dazu zerkrümelten Ziegel- und Mörtelresten, die,
so gering sie sind, doch keinen Zweifel darüber lassen, dass hier ein
Backsteinbau gestanden habe. Auch ist es noch keine dreißig Jahre, dass
hier, zehn Fuß hoch, ein Mauerwerk aufragte, das unverkennbar einem
christlichen Gotteshause zugehörte.“ Geht man heute auf den Kirchberg,
erkennt man deutliche Spuren menschlicher Gestaltung, von den Resten
der Kirche aber findet sich keine Spur.
Im 19. Jahrhundert entdeckten Künstler den reizvollen Blick vom
Kirchberg. So schuf der Maler Julius Hennicke (1832-1892) im Jahre 1855
ein Aquarell, das die Havel als Zentrum der Potsdamer Parklandschaft
zeigt. Der Vedutenmaler der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin Carl
Daniel Freydank (1811-1887) hatte die gleiche Aussicht bereits 1845 als
Motiv eines Ölgemäldes gewählt. Theodor Fontane wanderte wohl erst
einige Jahre später auf den Kirchberg und beklagte schon damals die
eingeschränkte Sicht. Er schrieb in seinen schon oben zitierten
Wanderungen:
„Eine kaum minder interessante Wegstrecke bildet das Gehölz,
in das die Fahrländer Straße, unmittelbar nach Passierung der Brücke,
einmündet. Dies Wäldchen führt den Namen des Heinenholzes und aus
seiner Mitte hervor steigt der höchste Berg dieser Gegenden, der
Kirchberg. Es verlohnt sich durchaus, ihn zu besteigen. Seine Höhe ist
zweihundertundsiebzig Fuß. Das landschaftliche Bild, das sich von
seiner Kuppe aus dem Auge darstellt, ist sehr schön und würde noch
schöner sein, wenn nicht die Bäume, die den oberen Abhang umstehen, mit
ihren Kronen allmählich über die Kuppe des Berges hinausgewachsen und
dadurch einem Umblick hinderlich geworden wären. Wo er sich indessen
bietet, ist er von großem Reiz und dem Wald- und Wasserpanorama nah
verwandt, das ein Blick von den Müggelbergen gewährt.“
Während der DDR-Zeit entstanden im Umfeld des Kirchberges zwei
eher nüchterne Bauwerke: Unmittelbar neben dem vermutlichen Standort
der Kirche ein Betonbunker für die Zivilverteidigung und einige Meter
nördlich des Gipfels zwei eingezäunte, technisch geformte Hochbehälter
für Trinkwasser. Das Areal geriet fast in Vergessenheit, weil es als
Ausflugsziel an Attraktivität verloren hatte, und die Vegetation konnte
ungehindert sprießen. Im Jahre 1990 waren die Waldwege fast zugewachsen
und der Ausblick bot ringsum riesige Baumkronen. Lediglich im Winter
konnte man durch das Geäst den Blick auf Potsdam ahnen.
Dank vielseitiger Initiativen gelang es in den letzten Jahren
die Waldwege herzurichten und zwei Schneisen als Sichtachsen in den
Wald zu schlagen, die nun einen sehr schönen Blick Richtung Süden über
den Jungfernsee nach Potsdam und Berlin freigeben und Richtung Westen
über den Fahrländer See nach Fahrland. Der ehemalige Bunker wurde
zugeschüttet und darauf entstand eine Aussichtsplattform mit
landschaftlich angepasster Gestaltung. Wenig später konnte die südliche
Sichtachse so erweitert werden, dass der Blick auch über den Weißen See
reicht, und damit bietet sich heute dem Besucher ein fast ebenso
malerischer Blick wie ihn einst Hennicke, Freydank und Fontane hatten.
Am 22. Oktober 2005 wurde der neue Aussichtspunkt feierlich eingeweiht.
Der kürzeste Weg zum Neu Fahrländer Kirchberg führt über den
Betonplattenweg, von der Bundesstraße 2 hinauf zu den
Hochbehältern. Der Waldweg nach links vor den Speicherbecken führt
direkt zum Aussichtspunkt. Dieser Weg war schon in Karten des 19.
Jahrhunderts als Fahrweg auf den Gipfel verzeichnet und wurde
vermutlich auf Wunsch Friedrich Wilhelm IV. nach Planungen des
Hofgärtners Lennés (1789-1866) angelegt.
Der Besucher, welcher etwas länger durch das Hainholz unterhalb
des Berges wandeln möchte, biege von der Bundesstraße 2 in die Straße
Am Kirchberg ein. Nach etwa 400 Metern führt rechts ein Waldweg
(Markierung: Pfeil mit roter Spitze) hinauf zum Kirchberg.
Bilder:
1: Blick vom Kirchberg im Juni 2005
2: Julius Hennicke 1855, Blick vom Kirchberg auf den Jungfernsee
3: Winterliches Abendrot im Januar 2005
4: Blick vom Kirchberg im April 2005
5: Panorama im November 2005
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